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Film-Review: Starbuck

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Mit Starbuck ist gestern ein neuer (kanadischer Indie-)Film in den Kinos angelaufen, von dem man annehmen könnte, dass er sich allerlei Klischees bedient – tut er aber nicht. Und genau das macht den Film so reizvoll und irgendwie auch anrührend, obwohl er unter dem Genre der Komödie veröffentlicht wurde.

Die Handlung

Filmplakat zu Starbuck. Foto: Privat.

David Wozniak hat in seinem Leben noch nicht viel auf die Reihe bekommen. Er arbeitet mit seinen beiden Brüdern in der Fleischerei seines Vaters, fährt Fleisch aus – und das ziemlich unzuverlässig. Seine Freundin will nichts mehr von ihm wissen, weil er‘s mit dem Melden nicht zu ernst nimmt, 80.000 Dollar Schulden erdrücken ihn und um sie zu begleichen, baut er Gras an. Als ihm dann doch einmal der Sinn danach steht und er sich bei Valerie blicken lässt, weist die ihn schroff ab – nicht ohne ihm zu erklären, dass sie schwanger ist und ihn nicht als Vater akzeptieren wird. Zu allem Übel steht kurz darauf auch noch ein dubioser Anzugträger in seiner Bude, der sich als Anwalt entlarvt. Sein Anliegen: Er vertritt mehr als 100 Sammelkläger, die alle auf der Suche nach ihrem gemeinsamen Vater sind – Starbuck. Unter diesem Pseudonym hat David vor 20 Jahren knapp 700 Mal sein Sperma gespendet, durch einen Engpass der Klinik wurde der Samen an hunderte von Müttern verteilt, so dass David der leibliche Vater von über 500 jungen Erwachsenen ist – von denen nun 142 seine Identität kennen lernen wollen. Sein bester Freund erklärt sich bereit, ihn vor Gericht zu vertreten und übergibt ihm einen Umschlag mit Steckbriefen aller Kläger: Und David beginnt zögerlich damit, seine Kinder heimlich zu beobachten und den Schutzengel für sie zu spielen. Schließlich ist der Tag der Verhandlung gekommen, Starbucks Jurist strebt eine Gegenklage an – und siegt. Damit darf David sich jedoch eigentlich nicht mehr zu erkennen geben, obwohl er zu all seinen Kindern auf Umwegen eine tolle Beziehung aufgebaut hat. Die Beziehung zu Valerie verläuft wieder in geregelten Bahnen, David scheint sein Leben in den Griff bekommen zu haben – und mit der Unterstützung seines Vaters kommt es, wie es kommen muss: Er gibt sich doch zu erkennen und wird in Zukunft der Kopf einer wirklich großen Großfamilie sein.

Die Meinung

Das wirklich Schöne an Starbuck ist, dass er Klischees nicht bedient, sondern sie einfach ignoriert. Bei anderen Filme hätte man erwartet, dass das Chaos um den Protagonisten noch chaotischer wird – und sich am Ende alles auf irrwitzige Weise klärt. Nicht so bei Starbuck. Alle Probleme werden in der ersten halben Stunde vorgestellt und sukzessive in den Griff bekommen. Seine Familie wendet sich nicht von ihm ab, im Gegenteil: Gerade der Vater unterstützt ihn auf anrührende Weise. Es ist wunderbar zu sehen, wie eine Vielschichtigkeit ein Persönlichkeiten angerissen wird – während normale Eltern schon mit einem Kind überfordert sind, nimmt sich David auf seine Art den Problemen all seiner Kinder an, egal, wie hart sie sind. Starbuck ist eine charmante Komödie, die nicht mit dem Holzhammer Lacher einfordert – im Gegenteil, oft ist sie vielmehr ergreifend, als zwanghaft lustig sein zu wollen. Wer klassische Hollywood-Komödien gewohnt ist, wird öfter im Film Handlungsfortgänge erwarten, die so nicht eintreffen werden. Der Familienzusammenhalt kommt beispielsweise nicht von Ungefähr, im Laufe der Handlung wird klar, warum David so oft sein Sperma gespendet hat – und deshalb heute über einhundertfacher Vater ist. Jedoch wird diese Heldentat von vor 20 Jahren fließend in den Filmverlauf eingebunden, ohne dass alle übrigen Charaktere David als immer schillernden Helden, der sich alles erlauben kann, feiert – wie es in kommerziellen Produktionen wahrscheinlich üblich gewesen wäre. Und genau das ist es, was Starbuck zu einem tollen Independent-Film macht, der übrigens aufgrund seines vorangegangenen Anklangs bei verschiedenen Filmfestspielen nicht nur in Arthouse- sondern auch in vielen großen Kinos gezeigt wird.

Fazit:

Starbuck ist ein charmanter Film über Zusammenhalt, Familie und Verantwortung, der sparsam mit seinen Lachern umgeht und stellenweise sogar etwas langatmig ist. Aber er geht ans Herz – und das gerade weil er auf das Offensichtliche und Überraschende verzichtet, sondern sich nur dem „Normalen“ widmet. So normal eben, wie ein Mann sein kann, der der Erzeuger von über 500 Kindern ist…

Daten zum Film:

Länge: 108 Minuten
FSK: 12
Land: Kanada
Regie: Ken Scott
Drehbuch: Ken Scott, Martin Petit
Schauspieler: Patrick Huard (David Wozniak/Starbuck), Julie LeBreton (Valerie), Antoine Bertrand (Anwalt), David Michael (Antoine), u.a.

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